30 Jahre Rettungsdienst - was in unseren Notaufnahmen wirklich schief läuft
Shownotes
Wenn wir an Notfallmedizin denken, denken wir an Rettungswagen, Notaufnahmen oder Hubschrauber. Wir denken an Geschwindigkeit. An Entscheidungen in Sekunden. An Menschen, die Leben retten.
Doch eine der größten Herausforderungen der modernen Akutmedizin ist ein System, das noch immer zu oft nebeneinander statt miteinander arbeitet.
Deutschland verfügt über hochmoderne Kliniken, hervorragend ausgebildete Einsatzkräfte und spezialisierte Zentren. Aber was passiert zwischen Notruf, Leitstelle, Rettungsdienst und Klinik? Warum gehen gerade dort oft wertvolle Minuten verloren?
Darüber spricht Béla Anda in dieser Folge mit Priv.-Doz. Dr. Stephan Kurz — Facharzt für Anästhesie, Public-Health-Experte, Rettungsmediziner und Notarzt in der Luftrettung.
Es geht um die Zukunft der Notfallversorgung, über intelligente Patientensteuerung, Netzwerkmedizin, künstliche Intelligenz im Rettungswesen — und darüber, warum moderne Leitstellen künftig vielleicht kein Ort mehr sind, sondern ein digitales Netzwerk.
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00:00:00: Ich denke, dass die Herausforderung gerade jetzt, wenn man beobachtet was sich durch künstliche Intelligenz entwickelt.
00:00:08: Diese ganze Entwicklung ist so unglaublich schnell exponentiell und ich glaube das jetzt im Grunde genommen die Herausforderungen erst richtig beginnt.
00:00:21: Medizin des einundzwanzigsten Jahrhunderts, die wird nicht daran scheitern dass wir Krankheiten behandeln können sondern im Prinzip das hochkomplexe System nicht schnell genug zusammenarbeiten.
00:00:49: Sie engagiert sich für den Ausbau moderner Nothofsysteme und stößt Innovationen im Rettungswesen an.
00:00:55: Dabei setzt sie entscheidende Impulse wie die Einführung der ONE-ONE-Zwei, Die Björn Steigerstiftung – Gemeinsam Leben
00:01:06: retten!
00:01:08: Er
00:01:13: gehört zu den profitiertesten Stimmen der modernen Akut- und Notfallmedizin in Deutschland.
00:01:18: Der ist Facharzt für Anästhesie und Public Health Experte, vormissär das Privatozent Dr.
00:01:24: Stefan Kurz heute bei uns ist.
00:01:26: Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage wie hochspezialisierte Medizin besser vernetzt koordiniert werden kann bis er besser sich steuern lässt.
00:01:36: und insbesondere auch dort wo Minuten über Leben und Tod entscheiden.
00:01:42: ist seine Schwerpunkte reichen und darüber haben wir gesprochen beim letzten Mal von der Aortmedizin.
00:01:48: Er ist gleichzeitig auch als Rettungsarzt tätig, fliegt auf den Hubschraubern des ADACs und hilft den Menschen in schwerer oder schwerster Not.
00:01:59: Herr Dr.
00:01:59: Kurz, wenn man die politische Debatte verfolgt rund um die Notfallreformen könnte man denken jetzt gab es die Gesundheitsreform war oder ist ein wesentlicher Teil davon?
00:02:11: Klar, es wird noch gerungen um diese Einspar-Details.
00:02:15: Die einen sagen nicht bei mir die nächsten sagen wieder nicht bei mich.
00:02:18: aber man kann schon denken die Notfallreform ist beschlossen Thema erledigt.
00:02:23: Aber Sie sagen etwas anderes nämlich dass die Diskussion eigentlich jetzt das beginnt.
00:02:29: warum
00:02:29: ja?
00:02:30: also ich glaube letztlich dass die Diskussion um die notfall reform zu kurz greift.
00:02:37: Wir sprechen also oft über neue Strukturen, neue Telefonnummern, Zuständigkeiten und Prozesse.
00:02:45: Und ich glaube dass das eigentliche Problem moderner Akutmedizin ein anderes ist.
00:02:51: Deutschland hat also hochleistungsfähige Einzelstrukturen aber diese Strukturn arbeiten häufig nicht schnell intelligent und verbindlich genug zusammen.
00:03:03: Wir haben in den letzten Jahren viel investiert.
00:03:06: In neue Notfallzentren, neue Klassifizierung, neue Triage-Systeme – das ist wichtig und richtig!
00:03:13: Aber wir investieren aus meiner Sicht noch zu wenig in das was die Strukturen letztlich miteinander verbindet.
00:03:23: Also ich glaube dass die nächste Revolution der Akutmedizin nicht eine neue Therapie ist sondern eine bessere Koordination.
00:03:33: Die ist wichtig und das ist etwas, was die Bernsteiger Stiftung ja auch sehr stark betreibt.
00:03:39: Und wofür sie sich sehr stark einsetzt.
00:03:41: als Leitbeispiel dient oft der Leitstellenpraxis in Österreich, die nämlich bundesweit also insgesamt Österreich ein System mit einer Handvoll von Leitställen hat.
00:03:55: Nichts weil Sie nicht mehr haben wollten aber weil es gelungen ist aufgrund einer guten Koordination Abstimmung untereinander und Digitalisierung eben einen solchen Leitfaden zu erarbeiten, der eingerichtet wurde.
00:04:10: Und an dem sich jeder und jede orientieren kann die gerade Hilfe gibt.
00:04:16: Warum fällt uns das so schwer?
00:04:18: Ich glaube das Problem in der Akutversorgung unserer Patienten ist dass sie ja nicht die einzelnen Institutionen erleben wie jetzt beispielsweise bei uns Rettungsdienst, denkt Rettungsthins, Klinik-Denk-Klinik, Leitstelle.
00:04:34: Sondern die Patienten denken sie sind in einem Versorgungsfahrt und letztlich bewegt sich der Patient durch ein einziges zeitkritisches System.
00:04:48: Bei kritischen Erkrankungen entscheidet sich die Prognose häufig nicht erst in der Behandlung im OP oder auf einer Intensivstation sondern sie entscheidet es sich vorher.
00:04:59: Beide Diagnostik in der Kommunikation, in der Bildübertragung.
00:05:04: Zielentscheidungen also welches Krankenhaus?
00:05:07: Der Transport und im Gesamten einfach die Aktivierung der richtigen Ressourcen.
00:05:15: Diese Schritte sind einzeln gut organisiert, gut beherrscht aber sie sind selten als ein zusammenhängender Pfad organisiert Und jede Übergabe zwischen den einzelnen Stellen sind potenzielle Bruchstellen und Bruchstellen kosten sehr viel Zeit.
00:05:34: Wie kostet Zeit, Potenziell auch noch mehr als das manchmal Leben?
00:05:38: Was sind diese Bruchstellungen konkret?
00:05:40: wo es an einem Datentransfer, in einem Informationstransfer mangelt oder wo der schneller gehen könnte, bruchloser gehen könnte?
00:05:50: was meinen Sie konkret damit?
00:05:52: Also konkret kann man's denke ich sehr schön sehen an der Behandlung vom akuten Orten-Syndrom.
00:05:59: Das ist ein sehr, sehr gutes Beispiel aus meiner Sicht.
00:06:02: Für die
00:06:04: Medizinerinnen und Medizine, die wissen was es ist – wir haben nicht so viele aber auch einige, die nur interessiert sind.
00:06:13: Würden Sie es denen einmal erklären?
00:06:16: Also
00:06:17: im Prinzip die menschliche Orte also die große Körperschlagader Genau, die im Prinzip einmal vom Herz weg bis nach unten in den Bauchbereich läuft ist mittlerweile auch als eigenständiges Organ klassifiziert.
00:06:36: Da spricht man wenn es da zu einem Einriss also beispielsweise einer Dissektion oder anderer Veränderungen kommt im Oberbegriff von einem sogenannten Akuten-Erortensyndrom und Gerade bei dieser Erkrankung ist es entscheidend, dass der Patient an die richtige Einrichtung kommt.
00:07:02: Dieser ganze Prozess oder diesen ganzen Ablauf kann man das strukturelle Problem in unserer Akutversorgung am besten erkennen.
00:07:12: Man sieht beispielsweise in den Leitlinien wird oft diskutiert über Operationstechniken und Prothesen verschiedene operative Verfahren.
00:07:23: Es wird aber wenig darüber diskutiert, wie man solche Patienten beispielsweise schnell diagnostiziert und wie man sie richtig steuert – also in Prinzip einer Netzwaglogik – und entsprechend die richtige Zielklinik adressiert.
00:07:39: Und aus meiner Sicht ist am Beispiel des akuten Ordensyndroms die Patientensteuerung Teil der Therapie die Operation.
00:07:52: Ja, können Sie erklären warum hier jede Minute zählt?
00:07:55: Beim akuten Ordensyndrom also am Beispiel der akuten Typ A-Desektion.
00:07:59: das ist also Prinzip wenn es zu einem Einriss als einer Desektion in der Orta kommt und die Diagnose ist gestellt dann geht im Prinzip erst die richtige beginnt die Organisation.
00:08:16: Es beginnt als eine Kette von Fragen Welches Ortenzentrum ist erreichbar?
00:08:20: Wer hat Kapazität, wer kann den Patienten übernehmen.
00:08:23: Wo sind die Bilddaten?
00:08:25: Kann man die einsehen?
00:08:26: Wer entscheidet oder koordiniert den Transport?
00:08:30: und jede dieser Fragen kostet Minuten – also sehr viel Zeit!
00:08:36: Und bei einer Dissektion, in diesem Fall bedeutet jede verlorene Stunde unbehandelt eine erhöhte Staublichkeit für den Patienten.
00:08:46: Das ist aufgrund der Abfrage und des zusammenbringster Informationen der Fall.
00:08:53: Was ist dir Vorschlag?
00:08:54: Wie können diese ja zwingend wichtigen Informationsflüsse besser koordiniert werden, besser zusammengebracht werden?
00:09:02: Wir haben in der Deutschen Akutmedizin den Beweis denke ich abracht.
00:09:06: es gibt Bereiche in denen Netzwerkmerz Medizin nicht nur theoretisch existiert sondern seit Jahren operativ sehr gut funktioniert.
00:09:17: Die Traumannetzwerke der deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie beispielsweise Strokeunits, also sogenannte Schlaganfallzentren mit telemedizinisch Anbindung gibt es sehr schönes Beispiel oder Modell wie Tempis in Bayern und diese Strukturen haben messbar die Versorgungsqualität verbessert.
00:09:36: sie zeigen also dass deutsche Akut Medizin sehr wohl in der Lage ist Netzwerk basiert zu denken Und die entscheidende Frage lautet daher nicht, können wir das?
00:09:47: Sondern warum übertragen wir diese Logik nicht systematisch auf weitere Gebiete der Notfallmedizin.
00:09:55: Also
00:09:56: ich denke es liegt am Ende daran Netzwerk basiert zu denken also dass man im Prinzip die Voraussetzungen politisch schafft dafür dass man einfach mehr Netzwerke basiert denkt Und wenn man das Beispiel nimmt, also ich hatte es ja eingangs gesagt.
00:10:13: Das akute Ordensyndrom.
00:10:15: nehmen wir mal das Beispiel schwere Sepsis oder die Koordination von Brandverletzten schwer verletzte Kinder, akute Vergiftungen.
00:10:23: überall ist dieselbe Mechanik.
00:10:25: Also es ist zeitkritisch Wir brauchen hochspezialisierte Zentren und Es ist koordinationsabhängig.
00:10:32: jetzt
00:10:33: erleben wir Ja Sie haben es angesprochen Können wir Inseldenken nennen immer noch in der heutigen Zeit, also Rettungsdienst, Klinik, Leitstelle, Fachabteilung noch viel mehr.
00:10:47: Wie stark ist die Rolle des Föderalismus darin diese Insel-Strukturen aufrechtzuhalten?
00:10:56: Ja das ist ein sehr guter Punkt.
00:10:58: Wir betreiben im Prinzip eine Hochleistungsmedizin punktuell aber das Betriebssystem wie kommen die Patienten dorthin und wie findet eine Vernetzung statt?
00:11:09: analog.
00:11:10: Also kann man so sagen und wenn man jetzt sich die Rettungsdienstlandschaft in Deutschland anguckt, sind nach meiner Information oder nach dem letzten Stand verfügen wir über zweihundertvierundvierzig Leitstellen und diese Leitstellen sind nicht gut miteinander vernetzt.
00:11:30: also es ist nach wie vor so dass man vieleorts Kapazitäten abtelefoniert und man im Grunde genommen keine echten gemeinsamen Lagebilder bekommt bei der Versorgung von bestimmten Erkrankungen.
00:11:47: Und die ganze Notfallversorgung basiert aus meiner Sicht noch sehr, sehr stark einer bestimmten Verwaltungslogik – also nicht einer Medizin mit Echtzeitdaten, die miteinander vernetzt sind und man schnell Entscheidungen treffen.
00:12:05: Nun sind sie nicht, das müssen wir hier einmal sagen.
00:12:07: Teil der Steigerstiftung, Sie haben auch keinen Mandat für die Steiger Stiftung oder dergleichen.
00:12:13: aber es ist trotzdem interessant weil genau dieser Punkt ist ein zentraler Punkt der Beyond-Steiger-Stiftung den sie immer und immer wieder vorbringt Und ich bin oft dabei oder beteilige mich daran dass überraschende... Ich will nicht sagen frustrierende Das ist es nicht Aber trotzdem überraschtene Entweder, wie man es erzählt.
00:12:33: Da weiß das gar nicht.
00:12:34: Viele Menschen wissen das gar nichts, dass die Leitstellen hier so wenig vernetzt sind im Vergleich zum Ausland, dass uns das Ausland in diesen Fragen weit überholt hat mittlerweile viel koordinierter ist und deswegen auch effizienter ist.
00:12:50: Milliarden ich glaube drei vier Milliarden Das ist die Zahl.
00:12:52: Die Herftage eminent ließen sich einsparen zusätzlich ohne großen Aufhebens Im Gesundheitswesen wenn man diese von ihnen auch angebrachte Digitalisierung einbringen würde.
00:13:04: Und das Interessante ist und deswegen habe ich das gerade erwähnt, wenn man das jemandem gegenüber erwähnend, auch fachkundigen also jetzt nicht Gesundheits-, aber im politischen fach- kundigen Journalisten und Journalistinnen gegenüber dann ist das für die völlig unverständlich, aber auch gar nicht bekannt und leider auch – das muss man auch sagen – nicht so relevant weil der Eindruck Bis man es mal im persönlichen erlebt hat auch ja, ich höre doch immer den Rettungswagen.
00:13:34: Da kommt doch.
00:13:35: und ob das jetzt zwölf Minuten sind fünfzehn Minuten ist auch nicht so schlimm.
00:13:40: Das ist in etwa dieser Haltung und ich frage mich und vielleicht haben Sie einen Tipp wie wir das mehr ins Bewusstsein bringen können der Menschen dass sie merken dass ihr bei der Digitalisierung außer Es gibt auch positive Beispiele, auch für Leitstellen gibt es positive Bespiele.
00:13:56: Beispielsweise in Oldenburg aber noch anderen Bereichen dass wir hier weiter rankommen können.
00:14:02: also wie können wir ein stärkeres Bewusstsein schaffen das die Menschen merken vor allen Dingen auch die Verantwortlichen hier müssen was tun.
00:14:10: Ja das ist ein sehr sehr wichtiger Punkt.
00:14:12: ja ich will mal das Beispiel nehmen mit der Luftrettung beim ADAC den ich selbst seit Jahren aktiv bin.
00:14:19: Da denkt man ja auch nicht in Landkreisgrenzen oder entsprechend mehr im Netzwerklogik.
00:14:26: Also Patienten werden nicht schnell irgendwo hingebracht, sondern möglichst schnell an den richtigen Ort.
00:14:34: und wenn man jetzt das Beispiel nimmt was wir jetzt gerade hatten mit der hohen Anzahl an unterschiedlichen Leitstellen die wir in Deutschland haben Richtung Überlegung entwickelt, das beispielsweise massiv zu reduzieren.
00:14:49: Kommen natürlich Argumente wie man braucht eine regionale operative Kompetenz, lokale Lagekenntnis und eine gewisse Redundanz.
00:14:59: aber die Informations- und Steuerungsebene müsste aus meiner Sicht viel stärker vernetzt sein.
00:15:05: also Aus meiner Sicht ist die Leitstelle der Zukunft kein physischer Ort sondern ein Netzwerk und konkret bedeutet das also eine moderne Leitstelle müsste in Echtzeit wissen, welche Klinik und welche Spezialkapazität gerade frei ist.
00:15:22: Welches Schockraum Team beispielsweise einsatzbereit ist?
00:15:26: Welche Bildgebung in welcher Qualität verfügbar ist.
00:15:31: Und heute wird das vielerorts noch über Telefon fleifen oder bestimmte Erfahrungswerte gelöst.
00:15:38: Aber das ist nicht das Problem unserer Patientinnen und Patienten vor Ort.
00:15:44: Die machen oft, also es im Grunde genommen aufgrund fehlender Werkzeuge, dass man in der Lage ist, das schnell zu steuern.
00:15:56: Und deswegen denke ich moderne Akutmedizin sollte heutzutage deutlich stärker in Richtung Netzwerkmedizin denken was meiner Sicht viel, viel stärker politische Anstrengungen.
00:16:15: Sie haben es gesagt die Leitstelle der Zukunft ist kein Ort sondern ein Netzwerk.
00:16:19: das haben sie gerade gesagt.
00:16:20: haben sie auch geschrieben wie würde eine solche Leitstellen der Zukunft?
00:16:26: Einigen Gebieten gibt es sie in Österreich sowieso schon aussehen.
00:16:30: Ich hab's ja eingangs jetzt gerade erwähnt also so genannte intelligente Patientensteuerung
00:16:38: Künstliche Intelligenz dann möglicherweise.
00:16:42: Also in die Richtung dass man jetzt beispielsweise, also ich nehme mal wieder das Beispiel vom Akku Norden-Syndrom, ne?
00:16:48: Dass der Kollege oder die Kollegen, die einen solchen Fall in ihrer Notaufnahme hat, dass sie... Die machen im Prinzip nichts anderes im Moment als dass Sie Google aufrufen und geben sie ein.
00:17:05: Eine Klinik für Hartz-Kirurgie, die Gugeln und dann haben sie eine Liste von sechs oder sieben Kliniken.
00:17:12: Dann fangen Sie an, ab zu telefonieren.
00:17:14: Und bis man dann neben der normalen Patientenversorgung, die auch noch stattfindet, dann bekommt man Rückruf, dann sagt man ja wir haben im Moment kein Date, dann ruft man den nächsten an, wartet wieder auf dem Rückrufe.
00:17:26: Da vergeht unglaublich viel Zeit!
00:17:28: Das ist gerade bei dieser Indikation, natürlich auch bei anderen Notfallindikationen.
00:17:35: Genau der Punkt!
00:17:36: Das ist Teil der Therapie dass das schnell geht und dass man schnell weiß welche Klinik hat diese Kapazität und das richtige Team?
00:17:44: Und dann am besten auch noch dass die ganzen Informationen an einer Stelle wie beispielsweise in Form eines Dev Sports zusammenlaufen sich die beteiligten Akteure an diesem Patientenfahrt oder dieser Versorgung, diese Informationen in Echtzeit ziehen können.
00:18:03: Und zwar ohne dauernd hin und her zu telefonieren.
00:18:09: Und dann fängt die Diskussion, wenn man sowas in diese Richtung entwickelt, sofort an... Na ja, da gibt es das Thema Datenschutz!
00:18:23: Datenschutz ist aus meiner Sicht natürlich sehr, sehr wichtig.
00:18:27: Aber Versorgungssicherheit und Zeitkritik sind aus meiner Sicht ebenfalls Patientenschutz.
00:18:33: Ja absolut!
00:18:34: Gibt es eigentlich ein Land oder eine Region wo sie sagen da haben die wirklich verstanden wie moderne Netzwerkmedizin funktioniert?
00:18:44: Also ich glaube wir tun ganz gut daran in und wieder mal so auch über den Tellerrand hinaus zu schauen.
00:18:51: drei sehr, sehr gute Beispiele in Europa.
00:18:55: In den Niederlanden haben wir ein Trauma und Akutsversorgung sehr stark zentralisiert – also weniger Standorte.
00:19:04: Aber jeder der Standorte dort ist im sogenannten Netzwerknoten organisiert mit klaren Zuständigkeiten und einheitlicher Kommunikation und überregionaler Steuerung.
00:19:18: Beispielsweise Dänemark.
00:19:22: Dänemark hat seine Rettung in den vergangenen Jahren konsequent vereinheitlicht.
00:19:26: Also weniger große Leitstellen, einheitliche Standards, klare Zielklinik-Algorithmen.
00:19:34: und das dritte Beispiel ist die Schweiz.
00:19:39: Die arbeitet beispielsweise mit der Rega in einer Logik, die wir in der deutschen Luftrettung gut kennen also auch überregional Netzwerk passiert und durchgehend digital.
00:19:51: Also diese Mediz- also diese Beispiel, die ich jetzt genannt haben.
00:19:54: Die sind uns medizinisch nicht überlegen aber sie haben die Struktur einfach anders gedacht.
00:20:01: Sie haben nicht zuerst die Frage gestellt wer zuständig ist sondern die Frage was der Patient braucht und haben daraus entsprechend die Strukturen abgeleitet.
00:20:10: Ja vom Patienten her gedacht vom Einsatz der gedacht und dementsprechend optimiert Das wünscht man sich auch hier weil das Ergeben wir auch Berechnungen, die es zusätzlich auch noch erhebliche Kosten sparen würde.
00:20:27: Wir reden ja viel über Wirtschaftlichkeit und Kostendruck aber gleichzeitig ist es ja so dass man bei der Akutmedizin nicht nur auf Kosten gucken soll.
00:20:38: So versteh ich sie richtig.
00:20:40: warum?
00:20:42: Ja das ist richtig und das ist ja jetzt auch an dem Beispiel diskutierten Notfallreform, da gibt es ja auch die Punkte der Wirtschaftlichkeit und auch der Kostendeckelung.
00:20:57: Und aus meiner Sicht muss also der Maßstab der Notfallversorgung oder der medizinisch notwendige Versorgungsbedarf nicht an einer Budgetlogik orientiert sein.
00:21:10: Der Rettungsdienst, aus meiner Sicht funktioniert nicht wie ein planbarer elektiver Bereich.
00:21:14: Also wir planen irgendwie Gallenblasen-Operationen also elektive Fälle und letztlich finanziert man im Rettungstienst nicht den einzelnen Einsatz sondern man finanzieren eine Vorhaltung eine Vierundzwanzig Sieben Verfügbarkeit, eine Eskalationsfähigkeit, Netzwerkfähigkeit und natürlich auch eine entsprechende Redundanz.
00:21:42: Und da finde ich also das ist meine persönliche Meinung funktioniert eine Kostendeckelung nicht.
00:21:48: Das führt also das denke ich verfehlt des Ziels.
00:21:53: Allein das Vorhalten kostet ja im Vorhalten bedeutet ja nicht zwingend immer Einsatz aber es ist natürlich zwingent notwendig um im Einsatzfall verfügbar zu sein.
00:22:06: Sie haben positive Beispiele erwähnt, denen mag Niederlande Schweiz wenn sie schauen was könnten deutsche Entscheidungen sofort übernehmen ohne das gesamte System neu zu erfinden?
00:22:21: Wenn wir jetzt nochmal auf das Beispiel der Wirtschaftlichkeit gehen Es ist so, wenn man das im Prinzip star an solche Begrenzungsmechanismen koppelt besteht letztlich die Gefahr dass man genau die Strukturen die wir eigentlich verändern wollen.
00:22:37: Schwächt!
00:22:38: Die man für eine letztlich funktionierende Notfallversorgung braucht und schlechte Koordination produziert.
00:22:45: letztlich genau das was niemand will Fehltransporte Doppeluntersuchungen Sekundäre Verlegungen verzögerte Therapien.
00:22:53: Und da es aus meiner Sicht viel mehr Geld aus dem System, also kann man aus meiner Sicht viel mehr in den System einsparen als wenn man das einfach deckelt und im Prinzip so wieder lässt.
00:23:08: So nach dem Motto naja organisiert euch mal selber ja dass es entsprechend funktioniert.
00:23:14: Also das ist aus meiner sicht nicht der richtige Weg.
00:23:17: jetzt waren wir ja In vielem in deutschland führend oder mitführend auf jeden fall in europa.
00:23:25: Bevor ich mich bei der Björn Steiger Stiftung so intensiv mit diesem Thema befasst habe, habe auch ich immer gedacht wir sind es immer noch gerade in dem Gesundheitssektor.
00:23:37: Weil wir sind ein modernes Land Wir sind gut föderal gestrukturiert aber mit entsprechenden Mitteln ausgestattet.
00:23:44: wenn man durch die kleineren Ortschaften fährt sieht man überall zum Teil hervorragend ausgestatterte technisch ausgestatten Leitstellen, Feuerwehren, freiwillige Feuerwehre.
00:23:58: Das Engagement ist da der Menschen die sich vor Ort einbringen.
00:24:05: Wann haben wir in der Vergangenheit den Schalter nicht umgelegt und wann sind die anderen Länder oder einige der anderen Länder an uns vorbei gezogen?
00:24:18: Ja das ist eine sehr gute Frage.
00:24:21: also ich denke Wenn man sich die Leitstellenstrukturen in Deutschland anguckt, ich glaube das da so der Punkt vor fünfzehn oder zwanzig Jahren angefangen hat zu kippen.
00:24:32: Sie haben gerade erwähnt also was sehr wichtig ist dass natürlich alle Akteure in den einzelnen Bereichen also vor allem auch der akuten Versorgung natürlich sehr gut ausgebildet sind, sehr gut organisiert und auch sehr hoch motiviert sind.
00:24:48: Also ich erlebe das selber täglich auch im Notarztdienst was für gut ausgebildete und professionell zusammenarbeitende Teams man hat.
00:25:00: Und letztlich fällt das ganze Jahr nicht vom Himmel, also man muss die Leute ja letztendlich trainieren.
00:25:07: Man muss zusammen üben, man braucht sektorenübergreifende Fortbildungen beispielsweise, Standards miteinander zu teilen und das funktioniert.
00:25:18: Also die Akut- und Notfallversorgung funktioniert aus meiner Sicht in einem vorderrealistisch geprägten System nicht.
00:25:24: Der Notfallpatient endet ja nicht irgendwie an der Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg beispielsweise.
00:25:33: Man muss es jetzt einfach schaffen, dass die gut ausgebildeten Menschen, Also die ganzen PS im Grunde genommen auf die Straße bringt und letztendlich diese Strukturen schafft, dass das einfach perfekt funktioniert.
00:25:52: Ich denke noch ein wichtiger Punkt in der ganzen Debatte ist natürlich auch, dass nämlich das ganze Personal gerade jetzt im Gesundheitswesen ein äußerst knapper Faktor ist.
00:26:04: Und letztlich sind intelligent vernetzte Systeme der Schlüssel aus meiner Sicht, um das Personal zu entlasten.
00:26:15: Also es nicht zu ersetzen sondern zu entlassen.
00:26:19: Glaubten Sie eigentlich Herr Doktor Kurz dass Deutschland die Notwendigkeit dieser Veränderung mittlerweile realisiert und verstanden hat?
00:26:28: Oder fehlt's da immer noch an Erkenntnis vielleicht sogar Druck?
00:26:32: ganz ehrlich nein also ich glaube das ist einfach so ein bisschen an der Realität, der Versorgung unserer Patientinnen und Patienten vorbeigeht.
00:26:44: Und ich denke dass die Herausforderungen gerade jetzt wenn man beobachtet was sich durch künstliche Intelligenz entwickelt und diese ganze Entwicklung ist so unglaublich schnell exponentiell.
00:27:00: Ich glaube das jetzt im Grunde genommen die Herausforderung erst richtig beginnt.
00:27:08: Medizin des einundzwanzigsten Jahrhunderts, die wird nicht daran scheitern dass wir Krankheiten behandeln können sondern im Prinzip das hochkomplexe System nicht schnell genug zusammenarbeiten.
00:27:21: Lassen Sie uns einmal träumen!
00:27:23: Sie haben einen Treffen mit der Bundesgesundheitsministerin, die sagt ich habe eine ganz besondere Möglichkeit Einwunsch den sie mir nennen, den kann ich sofort erfüllen.
00:27:36: Welcher Wunsch wäre das?
00:27:38: Also ich denke, dass im Prinzip ein intelligentes Netzwerk oder ein digitales Netzwerk wo man versucht unterschiedliche Notfallidikationen zusammenzubringen.
00:27:56: Dass man eine Plattformlösung schafft das man weiß sofort wo bringe ich einen Patienten hin?
00:28:04: also wo ist meine Zielklinik?
00:28:05: wie organisiert man das?
00:28:07: möglichst digital in Echtzeit.
00:28:10: Das wäre mein Wunsch!
00:28:13: Letzte Frage, lieber Dr.
00:28:15: Kurz Sie beschäftigen sich intensiv und da sind wir sehr dankbar für mit den Problemen, mit den Herausforderungen des Gesundheitswesens.
00:28:26: Sie beschäftigten sich ebenso intensiv mit Lösungen und möglichen Wegen aus diesem Zustand heraus.
00:28:32: sie bringen sich ein, sie arbeiten als Notfallmediziner bring ihre Expertise tagtäglich bei ihren Einsätzen in die Luft und auf die Straße.
00:28:43: Da müssen wir natürlich den Hinweis machen, dass die Luftrettung auch von der Pfernsteigerstiftung erfunden und tatsächlich eingebracht worden ist unter großen Herausforderungen für den Gründer der Pernsteiger Stiftung, dem Vater des jetzigen Präsidenten Pierre-Enric Steiger und der Zeitweise sein Haus verwendet hat um den ersten Rettungshubschrauber anzuschaffen.
00:29:09: also Da liegt auch ein Teilsteigerstiftung drin.
00:29:13: und also großen Respekt vor ihrer Arbeit, die sie machen.
00:29:18: Glauben Sie eigentlich oder ich frage an das was macht Ihnen trotz dieser Herausforderungen immer noch Hoffnung?
00:29:26: Also ich glaube so ein ganz wichtiger und entscheidender Punkt ist die Zusammenarbeit mit den ganzen professionellen Kolleginnen und Kollegen in der Notfallmedizin.
00:29:39: Das ist auch jetzt, also glaube ich nächstes Jahr.
00:29:44: Also ich habe in dem Jahr nineteenhunderts siebenundneunzig, achtundneinzig mit meinem Zivildienst beim Roten Kreuz im Rettungsdienst begonnen.
00:29:52: Also das sind dann praktisch nächstes Jahre, dreißig Jahre Erfahrung im Rrettungsdienste.
00:29:59: und bis zum heutigen Tag motiviert mich genau dieser Punkt diese Arbeit weiterzumachen, das fortzusetzen und mich mit Leuten in diesem Bereich auch auszutauschen.
00:30:14: Auch Gedanken mitzunehmen wie man so eine Versorgung verbessern kann.
00:30:21: Und das ist für mich jeden Tag ein Grund, mich in dem Bereich zu engagieren also weiterzuengagieren.
00:30:35: Und wir sagen danke für dieses Gespräch.
00:30:37: Danke für Ihr Engagement, auch stellvertretend für all diejenigen Helferinnen und Helfer, Pflegerinnen und Pflegereitungssanitäterin und Sanität der Ärztinnen und Ärzte, die das täglich tun.
00:30:49: Ganz besonders dank Ihnen, dass Sie auch diesen wichtigen Aspekt mit uns geteilt haben und es ja auch eben einen großen Ziel hier zum Ausdruck bringen, eben die Notfallversorgung noch besser zu organisieren und zu gestalten, sie digitaler zu machen.
00:31:08: Vielen herzlichen Dank Herr Dr.
00:31:09: Pott, es war ein wunderbarer
00:31:10: Gespräch.
00:31:12: Ja vielen herzliche Dank bedanke mich auch!
00:31:16: Die Björn Steiger Stiftung der Podcast.
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